
Der Künstler Gunter Demnig, geboren 1947 in Berlin, ist der Initiator des Erinnerungsprojekts „Stolpersteine“. Er studierte unter anderem Kunstpädagogik und legte 1971 sein Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien in den Fächern Bildende Kunst und Werken ab. 1985 eröffnete er ein eigenes Atelier in Köln.
Anlässlich des 50. Jahrestages der Deportation von rund 1.000 Sinti und Roma aus Köln erinnerte Demnig 1990 mit einer besonderen Kunstaktion an die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung. Mithilfe eines Spurgeräts zeichnete er jene Wege nach, über die die Menschen damals zu den Sammelstellen und ihrem anschließenden Abtransport gezwungen worden waren.
Aus dieser künstlerischen Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit entwickelte sich die Idee der Stolpersteine. Mit den kleinen, in den Gehweg eingelassenen Gedenktafeln gibt Demnig den Verfolgten und Ermordeten des Nationalsozialismus ihre Namen zurück und macht ihre Schicksale dort sichtbar, wo sie einst lebten.
Weitere Informationen über Gunter Demnig und sein Erinnerungsprojekt finden Sie auf seiner offiziellen Website.

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GeschichteAktuelle MitgliederFrühere MitgliederFotos
2006 – 2027
Anfang 2005 gründete sich in Borghorst auf Anregung von Herrn Homann eine Stolpersteine-Initiative, die sich mit großem Engagement und einer aktiven Öffentlichkeitsarbeit für das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus einsetzte. Schon bald konnten in Borghorst die ersten Stolpersteine verlegt werden. Angeregt durch dieses Beispiel fanden sich im Herbst 2005 auch in Burgsteinfurt engagierte Bürgerinnen und Bürger zusammen. Auf Initiative von Ursula Kunze entstand eine Gruppe, die es sich zur Aufgabe machte, an die Schicksale der ehemaligen jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger zu erinnern und ihnen durch die Verlegung von Stolpersteinen einen sichtbaren Platz im Stadtbild zurückzugeben.
Von besonderem Wert war dabei die Unterstützung zahlreicher Zeitzeugen. Liesel Daldrop, Maria Hinte und Klaus Döring begleiteten die Arbeit der Initiative mit großem Interesse und brachten ihre persönlichen Erinnerungen und ihr Wissen über das frühere jüdische Leben in Burgsteinfurt ein.
Die ersten Stolpersteine in Burgsteinfurt
Am 25. April 2007 war es schließlich so weit: In Burgsteinfurt wurden die ersten fünf Stolpersteine verlegt. Sie erinnern an den letzten jüdischen Kantor, Lehrer und Vorsteher der Jüdischen Gemeinde, Hermann Emanuel (Kautenstege 10), den Viehhändler Isidor Meyer (Bahnhofstraße 21) sowie an Rosa Cohen und ihre beiden Töchter Emilie Dreyfus und Charlotte Snatager (Moltkestraße 12). Diese erste Verlegung bildete den Auftakt zu einer langjährigen Erinnerungsarbeit. Innerhalb der folgenden achtzehn Jahre kamen weitere 86 Stolpersteine hinzu, sodass schließlich 91 dieser kleinen Gedenktafeln an unterschiedlichen Orten in Burgsteinfurt an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern.
Angesichts der rund 350 jüdischen Menschen, die während der Zeit des Nationalsozialismus in Burgsteinfurt lebten oder hier geboren worden waren und später andernorts ihren Lebensmittelpunkt hatten, stellt die Verlegung von 91 Stolpersteinen ein beachtliches Ergebnis dar. Hinter jedem einzelnen Stein stehen ein Mensch, eine Lebensgeschichte und ein Schicksal, das nicht in Vergessenheit geraten soll.
Eine feste Gemeinschaft entsteht
Wie bei vielen ehrenamtlichen Initiativen veränderte sich auch bei der Initiative Stolpersteine Burgsteinfurt im Laufe der Jahre die Zusammensetzung der aktiven Mitglieder. Persönliche Lebensumstände, familiäre Verpflichtungen und unterschiedliche zeitliche Möglichkeiten führten dazu, dass manche Unterstützer nur vorübergehend mitarbeiteten, während andere sich über viele Jahre hinweg engagierten.
Ab 2011 bildete sich ein fester Kreis von Mitgliedern heraus, der die Arbeit der Initiative kontinuierlich fortführte. Ihm gehörten Karl-Friedrich Herhaus, Gaby Konermann, Ursula Kunze, Oliver Löpenhaus, Hildegard von den Driesch und Barbara Wachsmuth-Ritter an. Auch die bereits erwähnten Zeitzeugen blieben der Initiative eng verbunden. Sie nahmen regelmäßig an den Treffen teil, berichteten aus ihren Erinnerungen und halfen dabei, historische Zusammenhänge zu verstehen und persönliche Schicksale zu rekonstruieren.
Dokumentation und vielfältige Erinnerungsarbeit
Ein wichtiger Meilenstein war die Veröffentlichung unserer ersten Dokumentation im Jahr 2012. In einer Auflage von 250 Exemplaren erschien eine Broschüre, die zum Preis von fünf Euro angeboten wurde. Sie widmete sich den Lebensgeschichten jener 42 Menschen, für die bis 2010 im Rahmen von vier Verlegungen Stolpersteine gesetzt worden waren. Doch die Arbeit der Initiative beschränkte sich keineswegs auf die Verlegung der Gedenksteine. Vielmehr entwickelte sich im Laufe der Jahre eine Vielzahl weiterer Projekte, die dazu beitrugen, die jüdische Geschichte Burgsteinfurts stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Dazu gehörten unter anderem die Errichtung einer Gedenktafel am Bahnhof, eine Mahnwache zum 75. Jahrestag der Deportationen sowie die Teilnahme am Geschichtstag der Volkshochschule. Darüber hinaus organisierte die Initiative Rundgänge zu den Stolpersteinen, hielt Vorträge vor Schulklassen und bot Führungen zu den ehemaligen Orten jüdischen Lebens in Burgsteinfurt an. All diese Aktivitäten verfolgten ein gemeinsames Ziel: die Erinnerung an die einstige jüdische Bevölkerung Burgsteinfurts wachzuhalten, ihre Geschichte zu erforschen und insbesondere jüngeren Generationen zu vermitteln, dass die nationalsozialistische Verfolgung nicht nur an weit entfernten Orten stattfand, sondern auch hier, in den Straßen und Häusern unserer Stadt.
Veränderungen und Verluste
Ab 2013 wurde die Initiative zunehmend mit personellen Veränderungen konfrontiert. Besonders schmerzlich war der Tod mehrerer Menschen, die unsere Arbeit über viele Jahre begleitet und bereichert hatten. Mit Liesel Daldrop, Maria Hinte und Klaus Döring verloren wir drei wichtige Zeitzeugen, deren persönliche Erinnerungen für unsere historische Arbeit von unschätzbarem Wert gewesen waren. Auch von unserem langjährigen Mitglied Hildegard von den Driesch mussten wir Abschied nehmen. Hinzu kam, dass sich Gaby Konermann und Karl-Friedrich Herhaus entschieden, ihre aktive Mitarbeit ruhen zu lassen, um sich wieder stärker ihren Familien widmen zu können. So verringerte sich die Zahl der regelmäßig aktiven Mitglieder bis 2018 auf nur noch drei Personen. Dennoch wurde die Arbeit der Initiative fortgesetzt. Im selben Jahr erhielt die Gruppe schließlich wieder Verstärkung: Mit Lina-Sophie Hentzschel, einer Schülerin des Gymnasiums Arnoldinum, stieß ein junges Mitglied zur Initiative. Ihr Beitritt zeigte zugleich, dass die Auseinandersetzung mit der jüdischen Geschichte Burgsteinfurts und die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus auch für die nachfolgenden Generationen von Bedeutung blieben.
Neues Betätigungsfeld
Im Jahr 2019 setzte sich die Initiative verstärkt für die Pflege und Instandhaltung des jüdischen Friedhofs in Burgsteinfurt ein. Da jüdische Bürgerinnen und Bürger über viele Jahrzehnte hinweg ebenso wie ihre christlichen Mitbürger aktiv am gesellschaftlichen Leben der Stadt teilgenommen hatten und in zahlreichen Vereinen und Organisationen vertreten gewesen waren – darunter der Fußballverein Union Burgsteinfurt (heute SV Burgsteinfurt), die Freiwillige Feuerwehr und verschiedene Schützenvereine –, lag es nahe, auch diese Einrichtungen in das Vorhaben einzubeziehen. Die Initiative wandte sich daher an zahlreiche Vereine, Organisationen und politische Parteien der Stadt und warb um Unterstützung. Während die Resonanz insgesamt eher verhalten ausfiel, zeigten insbesondere die politischen Parteien Interesse an dem Projekt.
Aus einem ersten gemeinsamen Treffen entwickelte sich schließlich eine feste Arbeitsgruppe, deren Engagement maßgeblich von Ursula Kunze, Oliver Löpenhaus und Inge Globig getragen wurde. Die anfängliche Zusammenarbeit mit den zuständigen Vertretern der Stadt gestaltete sich zunächst nicht immer reibungslos. Im Laufe der folgenden Jahre entwickelte sich daraus jedoch eine zunehmend vertrauensvolle und produktive Zusammenarbeit, die eine wichtige Grundlage für die weitere Pflege und den Erhalt des jüdischen Friedhofs bildete.
2020 Umbruch
Zu Beginn des Jahres errichtete die Initiative an sechs ausgewählten Standorten in Burgsteinfurt Gedenkstelen, die an das einstige jüdische Leben und Wirken in der Stadt erinnern. Jede dieser Stelen macht ein Stück der lokalen Geschichte sichtbar und verdeutlicht, wie vielfältig jüdische Bürgerinnen und Bürger über Generationen hinweg das gesellschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Leben Burgsteinfurts mitgestaltet hatten. So erinnert beispielsweise die Stele auf dem Graf-Arnold-Platz an die jüdischen Schüler des Gymnasiums Arnoldinum, während die Stele auf dem Baumgartenplatz die Geschichte des dortigen Viehmarktes beleuchtet, auf dem jüdische Viehhändler eine bedeutende Rolle spielten. Am Europaring wiederum wird an die Geschichte der Kreisparkasse erinnert, die von Moses Cohen gegründet und geleitet wurde.
Nach Abschluss dieses Projekts kam es innerhalb der Initiative zu weiteren personellen Veränderungen. Die beiden Gründungsmitglieder Ursula Kunze und Barbara Wachsmuth-Ritter entschieden sich aus persönlichen Gründen, ihre aktive Mitarbeit ruhen zu lassen. Damit zogen sich zwei Frauen aus der regelmäßigen Arbeit zurück, die die Entwicklung der Initiative seit ihren Anfängen begleitet und über viele Jahre hinweg maßgeblich mitgestaltet hatten.
Heimatpreis
Anfang 2022 veröffentlichte die Initiative eine neue, umfassend überarbeitete Dokumentation, die erstmals auch über den regulären Buchhandel erhältlich war. Auf 144 Seiten widmeten wir uns ausführlich den Lebensgeschichten und Schicksalen der jüdischen Familien Burgsteinfurts und zeichneten damit ein eindrucksvolles Bild des einstigen jüdischen Lebens in unserer Stadt.
Für die Errichtung der sechs Gedenkstelen und die Veröffentlichung dieser Dokumentation wurde die Initiative noch im selben Jahr mit dem Heimatpreis der Stadt Steinfurt ausgezeichnet. Diese Anerkennung würdigte das langjährige ehrenamtliche Engagement für die Erforschung, Bewahrung und Vermittlung der jüdischen Geschichte Burgsteinfurts. Ebenfalls 2022 ging die erste eigene Website der Initiative online. Damit entstand eine weitere Möglichkeit, unsere Forschungsergebnisse einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen und die Erinnerung an die ehemaligen jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger auch über die Stadtgrenzen hinaus wachzuhalten.
In den folgenden Jahren erschienen weitere Auflagen unserer Dokumentation sowie erstmals eine englischsprachige Ausgabe, durch die insbesondere auch Nachfahren ehemaliger jüdischer Familien im Ausland Zugang zu den zusammengetragenen Lebensgeschichten erhielten.
Eine erfreuliche Entwicklung gab es schließlich 2023: Mit Ursula Kunze kehrte eines der Gründungsmitglieder in die aktive Arbeit zurück. Seither besteht unsere Initiative wieder aus drei engagierten Mitgliedern.
Jüdischer Friedhof Gerichtstraße
Als wir uns 2019 mit unserer Initiative erstmals intensiver für die Instandhaltung des jüdischen Friedhofs in Burgsteinfurt einsetzten, hätten wir kaum zu hoffen gewagt, dass dieses umfangreiche Vorhaben bereits 2026 erfolgreich abgeschlossen werden könnte. Entscheidend für diesen Erfolg war die ausgesprochen konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Stadt Steinfurt, insbesondere mit der Denkmalbeauftragten Gerda Holstein und dem Technischen Beigeordneten Hans Schröder.
Mit großem persönlichen Engagement gelang es Gerda Holstein, Fördermittel des Landes sowie einer Stiftung für das Projekt zu gewinnen und damit die notwendigen Restaurierungs- und Sicherungsmaßnahmen entscheidend voranzubringen. Auf diese Weise konnten insgesamt 54 historische Grabsteine gesichert und für kommende Generationen bewahrt werden. Damit fand ein Projekt seinen erfolgreichen Abschluss, das uns über sieben Jahre hinweg begleitet hatte. Zugleich wurde ein bedeutendes Zeugnis der jüdischen Geschichte Burgsteinfurts dauerhaft erhalten.
An dieser Stelle möchten wir Gerda Holstein und Hans Schröder noch einmal ausdrücklich unseren herzlichen Dank aussprechen. Ohne ihre Unterstützung, ihren persönlichen Einsatz und die gute Zusammenarbeit wäre die erfolgreiche Umsetzung dieses Vorhabens in dieser Form kaum möglich gewesen.
Und was kommt als nächstes?
Im Jahr 2027 jährt sich die Verlegung der ersten Stolpersteine in Burgsteinfurt zum 20. Mal. Dieses besondere Jubiläum möchten wir zum Anlass nehmen, neun weitere Stolpersteine zu verlegen und damit die Zahl der Gedenksteine in unserer Stadt auf insgesamt 100 zu erhöhen. Ob wir die Verlegung weiterer Stolpersteine anschließend fortsetzen oder dieses Kapitel unserer Erinnerungsarbeit zunächst abschließen werden, ist noch offen. Nach zwei Jahrzehnten intensiver Beschäftigung mit den Schicksalen der ehemaligen jüdischen Bürgerinnen und Bürger Burgsteinfurts wäre dies jedoch ein denkbarer Zeitpunkt, um neue Schwerpunkte zu setzen.
Auch bei unserer geplanten Jubiläumsdokumentation möchten wir einen neuen Weg einschlagen. Anstelle einer weiteren gedruckten Veröffentlichung wollen wir die zusammengetragenen Lebensgeschichten und Forschungsergebnisse künftig kostenlos auf unserer Website zugänglich machen. Damit möchten wir allen Interessierten einen möglichst einfachen und uneingeschränkten Zugang zur jüdischen Geschichte Burgsteinfurts ermöglichen. Doch eines steht für uns fest: Mit dem möglichen Ende weiterer Stolpersteinverlegungen endet keineswegs unsere Erinnerungsarbeit. Gerade in einer Zeit, in der Antisemitismus, Ausgrenzung und Geschichtsvergessenheit erneut Anlass zur Sorge geben, bleibt die Auseinandersetzung mit unserer Vergangenheit eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe.
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